Fühlen war der Anfang. Doch erst das Halten machte mich ganz.
Lange hatte ich geglaubt, dass jemand anderes mich halten müsse: mit Worten, mit Nähe, mit Verständnis. Ich suchte Sicherheit im Außen, weil ich sie im Innen nicht kannte. Und jedes Mal, wenn jemand sich abwandte, brach etwas in mir ein, das ich nicht benennen konnte.
Doch als ich wieder zu fühlen begann, wurde mir klar: Gefühle sind nicht das Problem. Das Problem ist, wenn wir glauben, wir seien ihnen ausgeliefert.
Ich begann zu spüren, dass ich bleiben kann — auch wenn es in mir stürmt. Dass ich atmen kann — auch wenn etwas in mir eng wird. Dass ich stehen kann — auch wenn ein alter Schmerz sich meldet.
Es war kein heroischer Prozess. Es waren kleine Momente, in denen ich nicht mehr weggelaufen bin: vor mir, vor meinen Mustern, vor meinen Wunden.
Ich blieb. Ich atmete. Ich hielt mich.
Und in diesem Halten geschah etwas, das ich lange nicht für möglich gehalten hatte: Die Angst wurde kleiner. Nicht, weil sie verschwand, sondern weil ich größer wurde.
Ich verstand, dass Selbsthalten nicht bedeutet, alles allein zu schaffen. Es bedeutet, bei sich zu bleiben, auch wenn niemand da ist, der einen auffängt. Es bedeutet, die eigene Hand zu halten, auch wenn die Welt sich entzieht. Es bedeutet, sich selbst nicht zu verlieren, auch wenn etwas im Außen bricht.
Vielleicht ist das die tiefste Form von Nähe: die Nähe zu sich selbst. Nicht als Ersatz, sondern als Fundament.
Denn erst wenn wir uns selbst halten können, können wir auch gehalten werden — ohne uns zu verlieren. Und erst dann wird Liebe frei: frei von Angst, frei von Abhängigkeit, frei von alten Geschichten.
Ich habe gelernt, mich selbst zu halten. Und in diesem Halten habe ich etwas gefunden, das ich lange gesucht habe: mich.
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